Das Böse braucht das Schweigen der Mehrheit.

Auf den Hund gekommen

Die Frage, die sich mir stellte, hiess auf gut Deutsch: Is there still life in the old dog? Ich wollte Antwort und beschloss, diese am Eiger Bike Challenge zu finden. Die gute Nachricht sei vorweggenommen: ich habe es überlebt. Das schien mir, je näher der Start kam, immer wie unwahrscheinlicher, und spätestens um sechs Uhr Morgens unglaublich.

Die Marginalie ist die Hauszeitschrift aller Stämpfli-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie erscheint viermal im Jahr.
Die Frage, die sich mir stellte, hiess auf gut Deutsch: Is there still life in the old dog? Ich wollte Antwort und beschloss, diese am Eiger Bike Challenge zu finden. Die gute Nachricht sei vorweggenommen: ich habe es überlebt. Das schien mir, je näher der Start kam, immer wie unwahrscheinlicher, und spätestens um sechs Uhr Morgens unglaublich.

Schon die frühe Tagwache, das Frühstück soll verdaut sein, entspricht nicht meinem üblicherweise gepflegten Sonntagsverhalten. Zudem regnet es in Strömen, kalt. Hauptthema deshalb: was anziehen, das einigermassen Wetterschutz gibt, aber sich nicht zur Sauna entwickelt? Der Kompromiss hat sich bewährt: nass bis auf die Knochen wurde ich ohnehin, von Innen und Aussen.

Einfahren in der Gruppe, locker, um nicht schon müde zu werden. Sich langsam an den Start vorwagen. Dort habe ich ein halbe Stunde vor Start gemerkt, dass ich meine Pulsuhr im Auto vergessen habe. Also Spurt vom Grund ins Dorf, Uhr holen, und zurück. Eingefahren war ich nun. Massenstart in allgemeiner Hektik, ich habe von Beginn weg versucht, mein Tempo und meinen Rhythmus zu finden. Es regnet immer noch. Wir starten um 8:15 Uhr, die Spitzengruppe, die eine Stunde früher auf die Strecke ging, ist bereits auf der First. Ich brauche alleine bis auf die Grosse Scheidegg 1:45 h, es sind nicht mehr viele Fahrer hinter mir. Erste geben auf, es ist saukalt. Und, falls ich es noch nicht erwähnt habe, es regnet immer noch. Bis zum Schluss werden fast 300 Startende aufgeben.

Es geht weiter auf die First, drei zackige Rampen, aber ich kann mein Durchschnittstempo steigern. Auf der First hört der Regen auf, Abfahrt ist angesagt. Leider nein: der erste Teil ist schlimmer Morast und Schlamm, aus Mountainbiken wird Mountainwalken. Endlich wird der Trail fahrbar, es geht Richtung Bort und Bussalp, erst nur Abfahrt, dann ein ständiges Auf und Ab. Von der Bussalp runter ist wieder Morast, meine Schaltung klemmt, und die beiden kleinsten Gänge lassen sich nicht mehr schalten. Eine Morastabfahrt fordert ihren Tribut, mich haut es hin, aber dreckig bin ich eh schon und gefallen bin ich weich. Wieder ein langer Aufstieg bis unterhalb Bort, mir fehlen die beiden Gänge, echt genial.

Unterhalb Bort wird es steil, ich kann nicht mehr fahren. 300 Höhenmeter auf 2,5 km. Also Schieben. Immerhin überhole ich gehend Fahrer, die sich hochkrampfen. Endlich auf Bort! Und wieder Morast, kein Fahren möglich, sogar die Rennleitung verlangt Absteigen. Freude kommt auf, es beginnt wieder zu regnen. Es giesst wie aus Kübeln, wahrscheinlich, um die regenfreie Stunde zu kompensieren. Ich werde zwar wieder sauberer, aber den Schweiss und den Dreck spült es mir in die Augen. Das ist reizend, aber nicht reizvoll.

Vor km 40 überhole ich eine junge Frau und sage ihr, es geht nur noch gute 15 km. Nein, meint sie, es sind nur noch 6 km. Ich weiss nicht, ob das kommende Distanzschild bei km 40 zu ihrer Motivation beiträgt. Nun immer wieder Gegensteigungen, wozu braucht man eigentlich die beiden kleinen Gänge? Schliesslich die letzte Abfahrt, drei Treppen, zwei, drei Gegensteigungen und die Schlussfahrt in den Grund, um als Schlussbouquet noch ins Dorf hochzufahren. Das Gefühl im Ziel ist schlicht genial.

Wie gesagt:
There is still life in the old dog. Der Sieger fuhr in 2:48 h. Ich schaffte es gerade mal in 6:34 h. Von 520 Klassierten auf meiner Strecke – 55 km und 2500 Höhenmeter - bin ich damit auf den 501. Rang gefahren. Es gibt Raum für Verbesserung. Aber fragt mich heute nicht, ob ich nächstes Jahr noch mal gehe.